Der „Neger“

„Hast du mal einen Moment?!“

Mist! Die Erzieherin. Offensichtlich war ich beim Kinderabholen nicht diskret genug.

Was ist denn jetzt schon wieder? denke ich und merke im gleichen Moment, dass ich es auch laut gesagt habe. Hoppla!

„Kind groß hat den Vater von Samuel geärgert und hat „Neger, Neger“ geschrien!!“

Ernsthaft? Das wundert mich. Das Wort „Neger“ findet bei uns keine Verwendung, lateinischer Ursprung hin oder her. Auch in Sachen Süßigkeiten gibt es bei uns nur „Schokoküsse“, weil`s halt so auf der Schachtel steht. Außerdem hat der Vater von Samuel zwar einen sogenannten Migrationshintergrund, ist aber von schwarzer Hautfarbe genauso weit entfernt wie ich von südländisch. Also ziemlich weit.

Trotz alledem: mit „Neger“ also sei Kind groß besagtem Vater auf den Nerv gegangen, sagt die Erzieherin. Und sie erzählt das mit einem Unterton von „so redet ihr also zuhause“, was ich ziemlich unverschämt finde. Ich lasse mich aber auf keine Diskussion ein, denn Gespräche mit unserer Erzieherin machen mich erfahrungsgemäß jedes Mal fassungslos. Stattdessen packe ich Kind groß ein und fahre heim.

Ich kann mir die beschriebene Szene im Grundsatz lebhaft vorstellen. Also, dass mein Kind um einen Erwachsenen herumhüpft und irgendwelche Sachen kräht. Das macht Kind groß ganz gerne, vor allem, wenn es genau diesen Erwachsenen mag. Leider wissen die meisten nicht, dass das Ärgern quasi ein Sympathiebeweis ist. Wobei der Vater von Samuel ein lockerer Typ ist und sich sicherlich auch wehren kann, wenn mein Kind ihm zu übermütig und frech wird.

Mit der Situation insgesamt habe ich also kein Problem. Nur das Wort will nicht in meinen Kopf. Ich frage deswegen Kind groß auf der Heimfahrt, was denn das Wort „Neger“ bedeutet.

„Was?“ sagt Kind groß. „Neger!“ wiederhole ich.

„Was ist Neger?“

Alles klar.

Ein paar Tage später erzähle ich einer befreundeten Kindergartenmutter die Geschichte. „Rede nicht weiter“ sagt die, „ich war dabei! Von „Neger“ war nie die Rede!“ Und dann stellt sich heraus, dass das verwendete Wort „Schornsteinfeger“ war. Ach so.

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